| Bei frostfreier Witterung können die Bäume
mit scharfen Sägen, Scheren und Messern beschnitten werden. Zu dichte Kronen werden
ausgelichtet, zu hoch gewordene zurückgesetzt, Wasserschosse oder
abgestorbenes Holz entfernt und Schnittwunden von über zwei bis drei Zentimetern
Durchmesser mit Wundverschlussmitteln verarztet. Bei
jungen Obstbäumen ist der Erziehungs- oder Aufbauschnitt nötig, bei Bäumen mittleren
Alters der Erhaltungs- oder Auslichtungsschnitt und bei älteren der Verjüngungsschnitt.
Ältere Obstbäume, die zwar reich tragen aber deren Früchte relativ klein bleiben,
werden verjüngt, indem nach einem gründlichen Auslichten die gesamte Krone um gut ein
Drittel zurückgesetzt wird. In Verbindung mit einer Düngung kommt es im Frühjahr dann
zu kräftigem Neutrieb und später zur Ausbildung wesentlich größerer Früchte. Der
Boden wird um die Obstgehölze mit Torfstreu oder Kompost abgedeckt.
Außerdem ist zu überprüfen, ob die Stützpfähle noch
den nötigen Halt geben. Eventuell sind Baumbänder, die mit der Zeit zu stramm geworden
sind, ein wenig zu lockern.
Im Allgemeinen sind Obstgehölze so hart, dass sie normale
Winter gut überstehen. Gefährdet sind dennoch vor allem Stämme und die unteren Bereiche
von Hauptästen, wenn sie sich im Wechsel von vergleichsweise warmen Sonnentagen und
eiskalten Nächten teilweise erwärmen, wieder gefrieren und das öfters hintereinander.
Bei Temperaturunterschieden von bis zu 20 Grad können so genannte Frostrisse entstehen,
da der Stamm regelrecht platzt. Diese schwer verheilenden Winterwunden entstehen nicht,
wenn spätestens in der ersten Januarhälfte Stämme und größere Äste mit weißem
Anstrich versehen werden, um das Sonnenlicht zu reflektieren. Dazu sind die im Handel
angebotenen Präparate zu verwenden. Vorsorge ist auch gegen Wildverbiss zu treffen und
die vorhandene Umzäunung auf Schlupflöcher zu kontrollieren.
Sollen Obstbäume veredelt oder umveredelt werden, sind im
Januar bei völliger Winterruhe die Edelreiser, die zur Pfropfung im Frühjahr hinter die
Rinde gesetzt werden, zu schneiden und dann an einem kühlen und schattigen Platz in
feuchtem Sand oder Torf einzuschlagen.
Anschriften von Reisermuttergärten, die virusfreies und
-getestetes Reisermaterial liefern, ist von den Landwirtschaftskammern oder anderen,
entsprechenden Instituten zu erfahren.
Sollen im Nachwinter oder Vorfrühling Obstgehölze
gepflanzt werden, dann lassen sich bei frostfreiem Boden die Pflanzplätze vorbereiten.
Dazu wird die Pflanzgrube ausgehoben, der Aushub verbessert und der Pfahl eingeschlagen.
Wichtig ist, dass die Erde reichlich mit Humus aufbereitet wird. Ist der Boden gefroren,
muss diese Arbeit aufgeschoben werden. Keinen Aufschub jedoch duldet die Bestellung der
gewünschten Gehölze in einer guten Gartenbaumschule, damit die ausgesuchten Arten,
Sorten, Unterlagen und Baumformen nicht nur lieferbar sind sondern auch rechtzeitig
geliefert werden.
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